Web Usability- Was ist das?
Mit einer Website ist es zuweilen ähnlich wie bei der Partnerwahl. Allein vom guten Aussehen kann man nicht auf die inneren Werte schließen. Hübsch aufgestylte, poppige Webangebote irritieren plötzlich durch ihre äußerst komplizierte Bedienbarkeit – während der User am Anfang begeistert war, ist er am Ende nur noch frustriert und fragt sich, was er falsch gemacht hat.
Hingegen entpuppt sich manche auf den ersten Blick unauffällige Website mit der Zeit als unkomplizierte und bereichernde Lebensbegleitung.
Das Zauberwort: Usability
Was unterscheidet diese beiden Typen von Webseiten voneinander? Das Zauberwort heißt Usability. Usability wird mit „Gebrauchstauglichkeit“ übersetzt und beschreibt die einfache Bedienbarkeit technischer Systeme. Je einfacher und leichter ein Nutzer seine persönlichen Ziele mit einem technischen Produkt erreichen kann, desto mehr „usable“ ist es. Das kann zum Beispiel heißen, ein gesuchtes Produkt auf einer Auktionsseite besonders schnell zu finden, weil die Navigationslogik und die Suchfunktionalität sehr ausgereift und komfortabel sind.
Auffälliger ist es, wenn die Web-Usability fehlt: Die Steuerung ist inkonsistent, Icons sind unbeschriftet und nicht selbsterklärend, Bedienfehler können nicht rückgängig gemacht werden. Diese Aufzählung könnte endlos weitergeführt werden. Die Abwesenheit von Usability erzeugt in der Regel Frust und Verwirrung: Wer kennt nicht das unbefriedigende Gefühl, auf einer Website die Orientierung zu verlieren, sich immer wieder über gescheiterte Eingaben zu ärgern oder gar zu denken, dass man offenbar zu beschränkt ist, um diese eigentlich ja tolle Website zu bedienen. Aber der Nutzer ist nicht beschränkt – die betreffenden Webseiten hingegen wurden schlecht konzipiert.
Usability steigert Umsätze
Als Gründer eines Web-StartUps sollte man um das Wohl seiner Nutzer bemüht sein und sich daher schon möglichst früh in der Konzeption um eine einfache Bedienbarkeit und Verständlichkeit seiner Website bemühen. Die Usability wird für den Erfolg der Website umso wichtiger, je breiter und unspezialisierter deren Zielgruppe ist. Gerade im Web ist jedes potentielle Konkurrenzangebot nur einen Klick entfernt. Web-Usability wird damit zum wichtigen Wettbewerbsfaktor, der bestimmt, wie gern und wie häufig Nutzer ein Webangebot in Anspruch nehmen. Regelmäßig steigen die Umsätze von Webshops, nachdem deren Usability verbessert wurde. Die Kunden finden interessante Produkte schneller, sind überzeugter von den Produktbeschreibungen oder brechen den Bestellprozess seltener ab. Usability-Verbesserungen können so Umsatzsteigerungen von mehreren 10 Prozent generieren. In den Anfangsjahren des Webs waren es mitunter sogar mehrere hundert Prozent. Im E-Commerce-Bereich sind fortlaufende Usability-Optimierungen daher ein Muss, gerade weil sie sich schnell amortisieren. Web-Usability ist damit kein reines „nice-to-have“, sondern eine betriebswirtschaftlich begründbare Investition.
Usability unterstützt das Online-Marketing
Auch Online-Marketing-Budgets können effektiver ausgeschöpft werden, wenn Gründer früh auf das Usability-Design ihrer Website achten. Stellen wir uns ein Gründungsteam vor, das bei Google Werbung für ihre Seite schaltet, um mehr Neukunden zu gewinnen. 10.000 neue hoffnungsvolle Besucher gelangen auf die Seite. Dort werden sie jedoch verwirrt. Der Mehrwert des Angebots wird nicht richtig kommuniziert. Das Layout ist unaufgeräumt und der Button zur Registrierung geht inmitten einer Wolke von Bildern unter. Es melden sich nur wenige Besucher auf der Seite an. Die Anmelderate (Conversion-Rate) liegt bei niedrigen 0,5 prozent. Die Gründer werden nervös, verbessern nun gezielt die Usability der Landingpage und steigern die Conversion-Rate auf 5 bis 8 Prozent. Während einst pro 10.000 Besucher nur 50 Neukunden gewonnen werden konnten, melden sich nun 800 neue Nutzer (pro 10.000) an. Durch die verbesserte Usability wurden die Marketingkosten pro Neukunde drastisch reduziert und damit das bestehende Marketingbudget viel effizienter genutzt. Im Vorfeld einer größeren Online-Marketing-Kampagne sollte daher immer die Usability der Landingpage optimiert werden, damit Marketinggelder nicht verschwendet werden.
Usability hilft, Kosten zu sparen
Erstaunlich, aber Usability kann noch weitere Kosten senken. So erhalten leicht verständliche und einfach zu bedienende Webseiten tendenziell weniger Supportanfragen unzufriedener Nutzer. Damit werden die Supportmitarbeiter entlastet und haben mehr Ressourcen für andere Aufgaben frei.
Auch können Gründer zusätzliche Entwicklungskosten vermeiden, wenn sie bereits in den frühen Phasen der Produktentwicklung auf Usability achten. Warum? Oft werden nach dem Markteintritt immer wieder Redesigns notwendig. Häufig, weil die aufsässigen Nutzer sich einfach nicht so verhalten wollen, wie es die Entwickler eigentlich erwartet haben. Viele dieser Redesigns könnten vermieden werden, denn oft wird während der Entwicklung ein klassischer Fehler begangen: Entwickler lassen sich von Fehlannahmen leiten, wie „Also, ich bin ein typischer Nutzer. Wenn ich die Seite bedienen kann, dann können es die Endnutzer ja wohl auch.“ So werden zu keinem Zeitpunkt der Entwicklung echte Anwender befragt, um das Produkt z.B. in einem Usability-Test zu prüfenund Schwachstellen der Bedienung und im Verständnis zu finden.
Stattdessen wird mit großem Selbstvertrauen „blind“ in eine bestimmte Richtung entwickelt. Häufig herrscht auch Verliebtheit und technische Verspieltheit vor. Zu viele Funktionen werden implementiert, die Hauptinteressen des Nutzers geraten aus dem Blick. Hier muss das Management Prioritäten setzen. Denn das Produkt wird einzig und allein für den Endnutzer entwickelt.
Um diese teils unnötigen Redesigns zu vermeiden, wurde das User-Centered-Design entwickelt, welches Nutzerfeedback bereits in sehr frühen Phasen der Entwicklung vorsieht. Die Entwickler können dabei bereits früh Usability-Probleme erkennen und kostengünstig beheben. Teure Redesigns nach dem Markteintritt werden vermieden und teils immense Entwicklungskosten gespart.